Was ist Epilepsie? Die Raphael Gesellschaft klärt auf.

Tag der Epilepsie

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Seit 1996 wird jedes Jahr am 5. Oktober der Aktionstag der Epilepsie-Selbsthilfegruppe begangen. Auch bei uns in der Werkstatt sowie den Wohn- und Pflegeheimen leben und arbeiten einige Menschen, die neben ihrer Behinderung unter Epilepsie leiden. Im Zuge des Aktionstages haben wir uns mit den Betroffenen sowie Betreuern unterhalten …

Jeder hat vermutlich schon einmal was von Epilepsie oder epileptischen Anfällen gehört und hat daher gewisse Assoziationen zur Krankheit im Kopf. Keine Ihrer Vorstellung wird falsch sein, denn Epilepsie oder epileptische Anfälle haben viele Gesichter.

Was ist Epilepsie?

Kurz zusammengefasst ist Epilepsie das vermehrte Aufkommen von epileptischen Anfällen, die durch eine Folge plötzlich gleichzeitig auftretender Impulse (elektrische Entladungen) von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst werden und zu unwillkürlichen Verhaltens- und Befindungsstörungen führen. Dies kann von leichtem Muskelzucken über Sprachverlust bis hin zur Bewusstlosigkeit ausgeprägt sein.
Die genannten Auswirkungen während eines Anfalles beobachten die Betreuer der Eichsfelder Werkstätten regelmäßig. Denn Epilepsie ist nicht nur eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Nervensystems überhaupt. Zudem kommt, dass viele Funktionsstörungen bzw. Veränderungen des Gehirns, die zu einer geistigen Behinderung führen, auch die Entwicklung einer Epilepsie begünstigen.

Epileptische Anfälle in Einrichtungen der Raphael Gesellschaft

Die Ausprägung der epileptischen Anfälle ist sehr unterschiedlich. Einige unserer Beschäftigten können sich gar nicht an diese Anfälle erinnern, andere konnten erzählen, wie sich die Veränderung im Körper anfühlt. Einige spürten bereits zuvor eine Abgeschlagenheit, die sich auch danach nicht ablegen lies, andere hingegen können nach einem Anfall ihre Arbeit direkt wiederaufnehmen.

Eine Beschäftigte der Eichsfelder Werkstätten hatte vor drei Jahren eine Operation, bei der die auslösende Synapse im Gehirn ausfindig gemacht werden konnte und gekappt wurde. „Ich bin nicht mehr gern zu Arbeit gegangen oder Einkaufen, weil ich Angst hatte, in der Öffentlichkeit einen Anfall zu bekommen“, sagt sie. Heute ist sie wieder gern an der Arbeit und freut sich anfallsfrei zu sein. Ein anderer Betroffene sagt, dass er keine Angst vorm nächsten Anfall habe, da er ja eh nichts daran ändern könne. „Jeder hat sein Päckchen zutragen“, fügt er hinzu.

Wie sollte man bei epileptischen Anfällen reagieren?

Wie man als „Außenstehender“ bei einem epileptischen Anfall reagieren soll, ist manchmal gar nicht so einfach. Im ersten Moment aber sollten Sie Ruhe bewahren und versuchen, alle Gefahrenquellen zu beseitigen. Dazu können spitze Gegenstände (Messer, Schere) in der Hand oder in der Nähe des Epileptikers zählen. Auch wäre eine Umlagerung wichtig, um Stürze von zum Beispiel einem Stuhl zu verhindern. Ohne Kenntnisse über den Epileptiker bzw. der Krankheit Epilepsie sollten Sie dann umgehend den Notarzt rufen.

In den Eichsfelder Werkstätten sowie den Wohn- und Pflegeheimen der Raphaelsheim gGmbH sind die Mitarbeiter geschult, wenn es um den Umgang mit epileptischen Anfällen geht. Blitzschnell werden dann mit geübten Griffen alle Gefahrenquellen beseitigt und dem Betroffenen zur Seite gestanden. „Wir müssen hier immer individuell entscheiden, was zu tun ist. Wir sind über den Verlauf von epileptischen Anfällen unserer Beschäftigten informiert und können daher personenbezogen reagieren. Schwierig wird es, wenn Anfälle zum ersten Mal während der Arbeit auftreten, ohne das eine Epilepsie-Erkrankung bekannt ist. Dann rufen wir direkt den Notarzt“, sagt Markus Trümper, Betreuer im Fertigungsbereich 2. Kollegin Claudia Schneemann fügt hinzu: „Was tut man denn, wenn man weiß, dass die Betroffene innerhalb von 5 Minuten ein Medikament verabreicht werden muss, damit der Anfall ohne Schaden überlebt wird – man selbst dieses Medikament aber nicht verabreichen darf?“.

Weil wir wissen, dass man in bestimmten Situationen die Ursachen schnell erkennen muss, um richtig reagieren zu können, wird neben spezifischen Schulungen die Ersthilferausbildung alle zwei Jahre durch das Deutsche Rote Kreuz aufgefrischt.